Tagesordnungspunkt

TOP Ö 9: Erhalt der Frühchenstation in Bremen - Nord (Level II Versorgung)

BezeichnungInhalt
Sitzung:27.06.2019   Rat/002/2019 
Beschluss:einstimmig beschlossen
Vorlage:  FB I/017/2019/1 
DokumenttypBezeichnungAktionen
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Der Ausschussvorsitzender des Sozialausschusses, Andreas Jabs, verliest:

 

Der Sozialausschuss hat sich in seiner Sitzung am 16.05.2019 mit dem Thema “Erhalt der Frühchenstation“ beschäftigt. Die Verwaltung wurde beauftragt eine Resolution für den Erhalt der Level 2 Versorgung in Bremen – Nord vorzubereiten

 

Mit dieser Resolution soll an die Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Verbraucherschutz und an die Bremische Bürgerschaft sowie an das Land Niedersachsen appelliert werden, den Abzug der Frühgeborenenversorgung des Levels 2 vom Krankenhaus Bremen-Nord zu überdenken. In dieser Resolution sind im Wesentlichen die Argumente der Initiative „kindgerecht“ aufgegriffen.

Die Resolution wird dem Protokoll angehängt.

 

Der Verwaltungsausschuss hat in seiner Sitzung am 20.06.2019 einstimmig dem Rat empfohlen, die Resolution zum Erhalt der Frühchenstation in Bremen-Nord (Level II Versorgung) zu beschließen.

 

Beschlussvorschlag: Der Rat beschließt die o.a. Resolution zum Erhalt der Frühchenstation in Bremen-Nord (Level II Versorgung) zu unterstützen.

 

 

 


Sachverhalt:

 

Der Sozialausschuss hat sich in seiner Sitzung am 16.05.2019 mit dem Thema Erhalt der Frühchenstation beschäftigt. Die Verwaltung wurde beauftragt eine Resolution für den Erhalt der Level 2 Versorgung in Bremen – Nord vorzubereiten:

 

 

Resolution zum Erhalt der Level 2 Versorgung in Bremen-Nord

 

Die Frühgeborenenversorgung des Levels 2 soll vom Krankenhaus Bremen - Nord abgezogen und in Zukunft nur noch im Krankenhaus Bremen - Mitte angeboten werden.

Es wird darum gebeten, diese Entscheidung zu überdenken.

Begründung

1.Die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin erfüllt diese Aufgabe seit den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, mit einer kurzen Unterbrechung wegen der Strategie der GeNo um 2010. Und sie erfüllt das auf sehr hohem Niveau.

2. Für die betroffenen Kinder ist es von großer Bedeutung, soviel Nähe wie möglich zu Mutter/ Vater/ Geschwistern zu haben. Das Ausmaß dieser Nähe (Kontakt durch Berührung, Mutterstimme, Singen, Känguruhing, Muttermilchernährung und Stillen, Stressminderung usw.) trägt in nicht zu unterschätzender Bedeutung zur Stärkung des frühgeborenen Kindes bei.

3. Eine gelingende Bindung hat wesentliche positive Effekte für das weitere Leben des Menschen. Voraussetzung sowohl für Mutter/ Vater/ Geschwister als auch Kind für eine gelingende sichere Bindung ist ein möglichst ausgedehnter Kontakt ab Geburt. Es ist nicht nachvollziehbar, dass aus dem großflächigen Bremer Norden mit seinen umliegenden Gemeinden die betroffenen Eltern und Geschwister zukünftig bis nach Bremen Mitte reisen müssen (Fahrzeiten von mindestens 1 Stunde pro Weg mit öffentlichen Verkehrsmitteln!).

4. Vermieden werden sollten Transporte, die für Frühgeborene eine besondere Belastung und ein lebensgefährliches Risiko bedeuten können. 

5. Die Geburtsklinik am Krankenhaus Bremen - Nord wird nicht mehr Schwangerschaften mit Level 2 Risiken betreuen dürfen. Deshalb müssen betroffene Frauen nach Mitte verlegt bzw. primär dorthin eingewiesen werden. Durch diese Umstände, z.B. den deutlich erhöhten Stress durch den Transport können vermehrt  Frühgeburten  ausgelöst werden.

 

6. Bei über 2000 Geburten pro Jahr in der Klinik Bremen - Nord gibt es ca. 700 bis 800 Einsätze von Kinderärzten im Kreißsaal, bei denen auch immer wieder intensivmedizinische Behandlungen erforderlich sind. Nur bei der jetzt noch bestehenden pädiatrischen 24 Stunden Schichtdienstbesetzung ist eine kompetente Betreuung jederzeit gesichert. Bei Verlust der Level 2 Versorgung ist dieses so nicht mehr jederzeit zu gewährleisten. 

7. Die Kinderklinik in Bremen - Nord wird wesentlich unattraktiver werden für die Ausbildung von Kinder- und Jugendärzten. Es wird schwierig werden, erfahrenes Fachpersonal zu halten und neue Mitarbeiter zu gewinnen, denn der Intensivmedizinische Weiterbildungsteil wird in Bremen-Nord nicht mehr stattfinden können. Zur Facharztweiterbildung Kinder- und Jugendmedizin gehört ein intensivmedizinischer Ausbildungsteil, der in Zukunft dann nur noch in Bremen - Mitte absolviert werden kann. Die dadurch entstehende Engpasssituation wird erhebliche Verzögerungen für die Weiterbildung der jungen Ärzte zur Folge haben.

8. Die Bettenanzahl soll insgesamt reduziert werden. Steigende Geburtenzahlen und daraus resultierende steigende Anzahlen von Frühgeburten haben in den vergangenen Jahren zunehmend zu Versorgungsengpässen im Land Bremen geführt. Es wird bei Frühgeburten durch diese Engpässe zu Verlegungen in weit entfernte Kliniken kommen.

 

Resümee

Der Wegfall der Level 2 Frühgeborenversorgung bedeutet einen erheblichen Attraktivitätsverlust für die Region Bremen - Nord und umzu. Die Gesundheitsversorgung, aber auch die Anziehungskraft für junge Familien, wird sich hier vor Ort deutlich verschlechtern.

 

Weil eine familiennahe Versorgung für Level 2 Frühgeburten und Schwangere mit drohender Level 2 Geburt in Bremen - Nord und umzu so immens wichtig ist, gibt es keine inhaltliche Rechtfertigung für die Zentralisierung. Zudem wird es durch die Bettenreduzierung zu erheblichen Engpässen kommen, die bei Frühgeburten zu Verlegungen in weit entfernte Kliniken führen wird.

 

Der Erhalt der Level 2 Frühgeborenenversorgung im Krankenhaus 

Bremen- Nord ist daher auch aus Sicht der Gemeinde Lemwerder erforderlich.

 

 

 


Abstimmungsergebnis:

 

Ja:

18

Nein:

 

Enthaltung: